Meine letzten Wochen waren wild, bewegt, voller Emotionen und Veränderungen.
Ich bin in Hannover (oder eher auf dem Land in der Nähe von Hannover) in eine herrliche Wohnung mit riesigem Garten gezogen. Habe den alten Job, das komplette berufliche Betätigungsfeld und meine „sichere Bank“ verlassen und mich auf neue Pfade begeben.

Wie das so ist, sind neue Straßen oft holperig und steinig und es braucht ein paar Schritte um zu wissen wie es sich hier läuft. Die ersten Schritte bin ich gegangen: Die Idee der beruflichen Veränderung war noch nicht das Wahre und in diesem Moment bin ich wieder einmal unendlich Dankbar für den Sozialstaat in dem ich lebe und die Absicherung die ich in Anspruch nehmen darf.
So bin ich nun vorerst „Arbeitsfrei“, habe die Mittel um meine herrliche Wohnung zu halten und die Sicherheit mich erst einmal zu sortieren. Ich darf eine Pause machen.

Und das mache ich. Es dauerte tatsächlich ein paar Wochen bis ich mich wohl fühlte mit dem Gedanken, jetzt gerade nichts zu tun außer zwischendurch immer mal zu unterrichten.
„Nichts tun“ allerdings wäre dann doch untertrieben: Ich habe viel Arbeit im Garten und in den letzten Wochen war so viel Besuch bei mir wie gefühlt die letzten drei Jahre nicht.
Es war herrlich, ein langes gemeinsames Wochenende mit den Yogamädels zu verbringen, mit Alex oder Martina ein paar ganz entspannte Tage mit tollen Gesprächen und leckerem Essen zu haben und mit den Kölner Freunden meinen Geburtstag zu feiern.

Diese Freude morgens beim Aufwachen, zu wissen dass im Gästezimmer jemand schläft die sich darüber freut wenn sie die Kaffeemaschine hört; diese wunderbaren Abende mit leisen (und lauten) Gesprächen auf der Terrasse; das Leben in der Bude… So schön, so erfüllend, so reich für meinen Geist.

Und heute?
Die Rückkehr zu mir.
Nach Wochen mit Menschen um mich herum ist es wieder still geworden.
Ich höre den leisen Ruf in mir nach Ruhe und Zurückgezogenheit.
Der laute Ruf meiner Gewohnheiten. Los, steig ein in das Hamsterrad, fall zurück in die Gewohnheiten die du hinter dir lassen wolltest, spiel das gewohnte Spiel aus Anhaftung und Überzeugung und Zurückweisung und Enttäuschung.

Heute steige ich nicht ein.
Ich gehe nach Hause, in die Räume die nicht nur meinen Freunden, sondern vor Allem mir selbst, Ruhe und Zuflucht bieten.
Werde meditieren, gutes Essen machen, lesen, mich im Garten wieder erden.
Ich fülle meine Schale neu auf.
Denn in den letzten Wochen habe ich mit Liebe um mich geworfen und viel von mir gegeben.
Meine Schale ist halb leer und ich suche nach Anlehnung und Liebe von außen, die mich wieder füllt.
So wird es wohl immer wieder sein, das ist das Leben und es lohnt sich ja meistens auch.
Schließlich habe ich aus freien Stücken gegeben.

Heute bin ich in der Lage, die Situation zu erkennen. Einzuordnen dass die Sehnsucht die mich umtreibt auch in mir begründet ist und nur von mir selbst gestillt werden kann.
Welch großes Geschenk, zu wissen dass es möglich ist meine Teile wieder zusammenzusetzen und die Energie die mir heute fehlt wieder aufzuladen. Dass es dazu eigentlich niemand anderen braucht außer mich selbst.


Das mag jetzt erstmal alles sehr Ich-bezogen klingen.
Nun, das kommt daher dass das Ich der einzige Bezug ist der momentan greifbar ist.
Könnte ein Partner meine Schale füllen?
Bedingt, vermutlich. Ein Partner könnte mich stärken, meine Energie „anreichern“ und über den Austausch und die gegenseitige Hingabe vielleicht daran teilhaben dass beide Schalen (seine und meine) gefüllt sind und bleiben.
Ist allerdings alles eine theoretische Idee, ich hatte noch keine Gelegenheit zur Anwendung.

So viele Jahre habe ich gewartet und gesucht. Nach dem Partner, der meine Schale füllt. Nach dem, der sich freut wenn ich ihn mit meiner Liebe überschütte und im Gegenzug dafür mich trägt und nährt und mir seine Liebe zurück schüttet.
Mit diesem Bild macht es dann Sinn, Ich-bezogen zu sein. So lange, bis beides da ist: Die Stärke, immer wieder zu mir zurück zu kehren. Und der Partner der dieses Bild versteht und mit mir lebt.

Das wird nicht einfach, ich fühle mich als würde ich mit jedem Monat inkompatibler zu einem immer größeren Teil der Menschheit werden.
Und es gibt keinen Weg zurück.

Das macht mich gleichzeitig glücklich und traurig – und jetzt gerade, in diesem Moment, wünsche ich mir nichts mehr als eine warme Umarmung und die Worte an meinem Ohr: Ich verstehe dich. Ich bin bei dir.

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