Mai

Wenige Tage nach der Prüfung

Nun bin ich also Yogalehrerin. So richtig mit Prüfung und Zertifikat.

Es fühlt sich sehr unwirklich an, so wie eigentlich alles was in den letzten Monaten passiert ist.

Unwirklich sind auch Fotos von mir – oder das eigene Spiegelbild.

Das bin ich?? Echt? Diese kurzen Haare, der Ausdruck tiefer Zufriedenheit auf meinem Gesicht, der trainierte Körper. Und um mich herum nehme ich eine Energie wahr die ich von mir noch nicht kannte.

Mir wurden Komplimente wie „Klar“, „Abgegrenzt“, „ruhig“ und „zufrieden“ gemacht.

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Yoga lässt die Wellen des Geistes zur Ruhe kommen

Es scheint, als wäre ich auf dem Weg den Patanjali sich mit dem Ziel des Yoga so überlegt hat.

Diese Komplimente zusammenzubringen mit meiner alten Bekannten Katja, immer etwas zweifelnd an sich selbst, stets auf dem Sprung um etwas für jemanden zu tun (egal ob der andere wollte oder nicht), laut, vorpreschend… das ist gar nicht einfach und fühlt sich an wie die große Hausaufgabe die ich nun nach Ende der Ausbildung noch mitbekommen habe.

Denn ich habe ja nicht meine komplette Persönlichkeit verändert. Es ist eher so, als hätte sich ein Objektiv scharf gestellt und jetzt sehe ich beim Blick auf mich mehr Kontur und Details, Ecken und Kurven wo vorher Schatten oder sogar blinde Flecken waren.

Ich entdecke mich aufs Neue, wurde angeregt genauer hinzuschauen und nicht nur das zu leben und zu akzeptieren was sich in den ersten 34 Jahren als „das ist Katja“ definiert hat.

Und nun stehe ich vorm Spiegel und denke: das ist also auch noch Katja.

Diese Entdeckungen sind aufregend und geben mir gleichzeitig ganz viel Gelassenheit. Wenn in mir so viele Facetten sind, dann gibt es keinen Grund eine von ihnen nicht zu mögen oder gar auszusortieren. Es wird immer etwas geben das gerade nicht glitzert, aber direkt daneben könnte es schon wieder funkeln.

Und so verbringe ich so manche Minute mit etwas unintelligentem Gesichtsausdruck, starre in die Luft, an Wände oder (vorzugsweise) auf die Pferdeweide vor meinem Balkon und sinniere vor mich hin.

Um einfach nur über meine Persönlichkeit nachzudenken bin ich zu pragmatisch, ich denke eher darüber nach ob dieser Blog auf eine eigene Website umzieht und was die Website dann noch von mir zeigen könnte. Was ich nun anfangen möchte mit dem Wissen aus meiner Yogalehrerausbildung, wohin der Weg weiter gehen könnte. Ob ich überhaupt einen langen Weg vorzeichnen will (momentan tendiere ich hier zu einem Nein) oder ob ich nicht lieber erstmal eine Zeit lang ausprobiere ohne mich schon festzulegen (ja, das fühlt sich super an!).

Und dann wieder öffne ich die Galerie in meinem Handy und schaue mir die Fotos von unserem Abschied am letzten Samstag an und in mir spüre ich Rudra Granthi: Der letzte Knoten der auf dem Weg zur Weisheit durchbrochen werden müsste. Er repräsentiert das Ziehen des Herzens und die Angst davor allein zu sein.

In diesem Leben werde ich ihn wohl nicht durchbrechen, nicht mit dieser Persönlichkeit. Aber wer will schon weise sein??

Mein Herz zieht – vor Liebe und Freude über diese tollen Menschen die mich begleitet haben und so viel Licht in dunkle Ecken gebracht haben.

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