Das war die Antwort meines Liebsten, als ich ihm sagte dass ich meinen aktuellen Job am liebsten heute noch kündigen möchte. Und dieser eine kurze Kommentar, diese vier Worte, diese einfache zur-Kenntnis-nahme meines Wunsches hat in mir eine ganze Welle an Gedanken und Gefühlen ausgelöst.

Die erste Reaktion in mir war Dankbarkeit und Erleichterung. Puh, er sagt nicht dass ich aushalten soll oder es durchziehen muss. Wow, er vertraut mir, er zweifelt nicht daran dass ich die richtige Entscheidung treffe. Also kann ich es auch wirklich machen!
Ich schlief an dem Abend beruhigt ein, mit dem aufgeregten Wissen dass ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen werde. Es einfach mache. Ohne Sicherheitsnetz, ohne großen finanziellen Puffer, einfach so. Weil ich das will. Weil es mich glücklicher machen wird.

Am nächsten morgen klopfte eine Frage an. Moment mal. Du starke, emanzipierte, selbstsichere Frau hast tatsächlich darauf gewartet was der Mann an deiner Seite sagt, bevor du aus deinem Wunsch eine Entscheidung gemacht hast? Und ja, so ist es. Ich habe auf seine Reaktion gewartet, bevor ich mir die Entscheidung erlaubt habe. Nun, zumindest habe ich nicht ihn entscheiden lassen, ich bin also irgendwo in der Post-Emanzipation mit dem Thema.

Vordergründig ist da natürlich die Tatsache dass diese Entscheidung in den nächsten Wochen erstmal zu finanziellen Themen führen wird die wir gemeinsam wuppen müssen. Es ist also selbstverständlich eine partnerschaftliche Entscheidung, und die Dankbarkeit für seine Reaktion und den darauffolgenden Satz „Wir schaffen das schon finanziell“ bleibt genau so bestehen.

Im Hintergrund ist aber etwas, das weder mit meinem Liebsten, noch unserer Partnerschaft oder überhaupt den finanziellen Gedanken zu tun hat.
Ich habe mir die Entscheidung nicht erlaubt, bevor sie nicht von außen geprüft und als machbar freigegeben wurde. Ich habe mir nicht ausreichend selbst vertraut, ich habe bezweifelt dass meine Entscheidung ausreichend durchdacht und richtig ist. Da geht die ganze Stärke, Selbstsicherheit und Emanzipation mal ganz schnell aufs Sofa, zieht sich die Decke übern Kopf und sagt: Ach, das soll der Mann an meiner Seite mal entscheiden, dann muss ich die Verantwortung dafür auch nicht (alleine) tragen.
AAAARGH!! Echt jetzt??

Es liegt nicht am Partner. Ich kenne das von mir. Ich habe schon immer meine Ideen anderen vorgetragen und darauf gehofft dass sie meine Entscheidung als „richtig“ legitimieren. Und beim ersten Gegenargument war ich allzu bereit, nochmal alles anzuzweifeln was mich überhaupt zur Entscheidung gebracht hat. In einem Ausmaß, das nicht mehr als gesunde Prüfung und Kurskorrektur zu bezeichnen wäre, sondern eher mit Selbstverleugnung beschrieben werden muss.
Die Meinung anderer war (und leider muss ich sagen: ist) für mich wichtiger als mein ganz eigener, innerer Impuls.

Nun, der Lichtblick ist: Ich habs ja bemerkt und setze mich in diesem Moment mit dem Muster auseinander. Damit kann ich es in Zukunft hoffentlich besser machen.
Noch ein Lichtblick: Ich hab diesen grandiosen Menschen an meiner Seite, in dessen Gedanken Patriachat oder Geschlechterrollen irgendwie überhaupt keine Rolle spielen.

Und überhaupt: Ich mach das! Jawollo! Der Job wird gekündigt, die zu engen Schuhe werden verschenkt, der Bügel BH wird weg geworfen. Warum? Weil ich mich nicht weiter in Formen, Korsetts oder Wertevorstellungen pressen will, die irgendwo in meinem Kopf verstaubt in einer Ecke liegen.

Es brauchte dafür einen gebrochenen Zeh, der mir endgültig gezeigt hat dass diese Schuhe wirklich nicht mehr passen. Es brauchte Rückenschmerzen und Achselkneifen, um zu verstehen dass ich WIRKLICH keine Bügel BHs mehr tragen möchte – nie wieder!
Und leider brauchte es eine chronische Gehörgangsentzündung, Ausschlag im Gesicht, Schulterprobleme die ich seit Jahren nicht mehr hatte, Herzrasen und Schwindelanfälle bis ich mir ehrlich sagen konnte: Dieser Job, der vor einem halben Jahr gut und sinnvoll war, ist es jetzt nicht mehr. Er nimmt mehr von mir, als er mir gibt.

Und nachdem ich das nun geprüft (und von anderen bestätigen lassen) habe, sage ich voller Stolz: Ich bin es mir Wert etwas zu beenden bevor der Plan B komplett in trockenen Tüchern ist. Ganz einfach, weil es zu meinem Besten ist. Weil ich bereits erleben durfte wie es ist, gesund und voller Kraft auf geistiger wie körperlicher Ebene zu sein und weil es keine Option mehr ist diese Gesundheit für einen verdammten Job aufs Spiel zu setzen.

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2 Kommentare

  1. Ja, dann mach doch.
    Die körperlichen Signale waren mehr als deutlich, und ich freue mich, dass du die Gelegenheit genutzt hast, wieder einmal deine Gedanken zu sortieren. Danke, dass ich teilhaben durfte.
    Ich bin stolz auf dich und das Vertrauen in das Leben, das immer größer wird.
    Liebe Grüße, Eva

  2. Liebe Katje,

    wir kennen uns nur von einem Yogawochenende zu Pfingsten 2020. Ich freue mich aber riesig für dich und bewundere deinen Mut und deine Ehrlichkeit. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du mit deiner Entscheidung glücklich wirst. Man wächst doch mit allen Entscheidungen, egal ob sie „richtig oder falsch“ waren. Verlieren kann man nur, wenn man sie gar nicht erst trifft. Und was bedeutet schon richtig oder falsch? Auch die angeblich falschen Entscheidungen lassen dich wachsen und man lernt daraus. Also wie können sie dann falsch gewesen sein. Du bist so ein toller Mensch und ich glaube fest daran, dass du deinen Weg finden wirst…
    Ganz liebe Grüße
    Cornelia

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