Tag 10 – mit Delay

Gestern war schon Tag 10, ich brauchte allerdings etwas Zeit um sacken zu lassen und zu überlegen was ich hier so offen teilen werde. 

Es ging von Urt nach Briscous über hübsche kleine Straßen mit den (bereits erwähnten) reizenden Baskischen Häusern und Gärten. Allerdings auch die meiste Zeit unter Überlandleitungen her. Die Franzosen nehmen das mit dem Starkstrom nicht so wild, teilweise hingen die Leitunngen auf ca. 3,5m Höhe. Zum Greifen nah, im wahrsten Sinne des Wortes. Es sirrte und summte über meinem Kopf und so gerne ich auch die Geräusche der Natur um mich gehört hätte… dat war nix. 

Also wieder die Kopfhörer rein. 

Im Cat Stevens Radio wurde auch andere Musik gespielt, die zum Genre passte. Dort war Passenger mir (wieder) über den Weg gelaufen. Manchmal kauft man ja ein Album und ist einfach noch nicht bereit dafür. So war es hier, das Album „Young as the morning, old as the sea“ besaß ich wirklich schon.  

Wundervoll für einen Sommerabend mit Freunden, Kerzen und Wein… oder für eine Wanderung durch baskische Hügel. Wer gern Texte hört, sollte sich ein Stündchen gönnen und diesem Herrn lauschen. Sehr anregend. 

So erging es mir also: Passenger regte meine Gedanken an. Und im Gegensatz zu den Tagen bisher ließ ich sie nicht vorbei ziehen, sondern hielt sie fest und schaute genau hin. 

Das erste was aufkam, und damit auch Überschrift des Beitrags, war die Erkenntnis dass dieser Spruch wirklich Wahrheitsgehalt hat. Ich bin ein fröhliches Gemüt und lächle dankbar die Menschen an wenn sie mit ihren Autos um mich herumkurven und ich nicht auf den (nicht vorhandenen) Straßenrand springen muss. 

Auch Grüße ich andere Wanderer und Radfahrer gern mit einem Lächeln und einem „Bonjour“ – kostet mich ja nix und gehört sich ja auch so. 

Was ist die Reaktion? Meistens, gerade bei den Autofahrern, ein überrumpeltes Zurück-Grinsen. Oder auch mal irritieres Stirnrunzeln. Oder Ignoranz. 

Radfahrer schnaufen meistens nur freundlich (wer schon mal Spinning oder halt Rennradfahren am Berg ausprobiert hat, der weiß warum) und unter Wanderern scheint das Grüßen eh ungeschriebenes Gesetz zu sein.

Adaptiert auf den Rest des Lebens: die Menschen die dir begegnen reagieren zwar immer auf dein Verhalten – aber jeder auf seiner eigenen Ebene. Gehst du freundlich auf jemanden zu, kann es sein dass er es dir dankt und freundlich reagiert. Es kann aber auch sein dass du ihn überrumpelst oder auf ganz falschem Fuß erwischt. Er dich, und deine Arglosigkeit, ausnutzt um Dampf abzulassen oder sich zu profilieren. Immer bekommst du das, was der andere bereit ist zu geben. 

Aber: du bekommst auch das gute Gefühl, selbst etwas gegeben zu haben. Dein bestes getan zu haben. 

Und weiter adaptiert auf meinem ganz eigenen Rest des Lebens ist das nicht nur beim einfachen Lächeln so. Es passiert immer, ständig, sobald eine Interaktion mit Lebewesen passiert. 

Für mich, die so fein auf das Verhalten anderer achtet und reagiert (und dann auch noch so gerne an sich selbst zweifelt), eine ganz wichtige Sache. Akzeptanz, dass die Reaktion der anderen nur selten unmittelbar mit mir zu tun hat. 

Und weil ich so schön am Suchen und Finden von mir selbst bin: ich mag es, dass ich so auf andere reagiere. Das ist oft anstrengend, ja. Und oft bekomme ich schräge Blicke wenn ich etwas schon spüre oder sehe bevor andere (oder der betreffende selbst) es weiß. 

Aber es gehört zu mir und nur weil besonders im vergangenen Jahr ein paar Menschen nicht damit umgehen konnten ist das kein Grund meine eigene Richtigkeit in Frage zu stellen. Richtig oder falsch… ich kanns ja eh nicht ändern. Akzeptanz, auch bei mir selbst. 

Und die Menschen, denen ich wichtig bin, die schätzen oder akzeptieren mich genau so. Ein gutes Gefühl, was lange gebraucht hat bis es bei mir angekommen ist. 

Und weil kein Beitrag ohne Foto auskommen soll, hier ein Schnappschuss von gestern, der mich in all den schweren Gedanken leicht und laut auflachen ließ. 

Fashionistas unter sich..


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