Tag 6

Warum der Tag 5 so wenig Worte hatte? Weil der Tag 6 mit sooooo vielen Schritten anfing!

Gestern fragte Joëlle, die Vermieterin meines kleinen Häuschens, was ich denn noch so vor hätte. Ob ich denn auch noch in die Berge wollte?

Ja, Achso, das sind doch hier schon Berge… öööhm.. ja klar! 

Na, dann könnte ich sie begleiten, sie würden morgen (also heute) Vormittag auf den Pic du Gare wandern. Sie hätte um 14 Uhr einen Zahnarzt Termin und weil es ja sonst zu warm ist… halb acht Abfahrt?

Und ich alte Flachlandgemse hab zugesagt… 

Pic du Gare. 1760m hoch. Liegt da eigentlich noch Schnee oben?? Martina sagte, nein. Okay. Dann auf ins Abenteuer!

Halb sieben aufgestanden (genau meine Zeit), vor lauter Aufregung und aufgrund der frühen Stunde nur ein paar Krümel Müsli gefrühstückt und dann ins Auto. Mit dabei waren Joëlle und Michel, die Vermieter, sowie noch eine Freundin von den beiden und der süße Hund Fabio. 

Wir fuhren ein ganzes Stück bergauf, was mich etwas beruhigte, und ließen dann im Wald das Auto stehen. 

Und fingen an zu kraxeln. Bergauf, bergauf, bergauf. Nach einer Stunde war ich soweit, aufzugeben. Mir war schwindelig, ich hatte das Gefühl einfach nicht genug Sauerstoff beim einatmen abzukriegen, Kloß im Hals, Tränen in den Augen. Lasst mich zurück, ich werde es nicht schaffen…..

Nix da. Michel sagte etwas, das Joëlle übersetzte mit: we come as four, we go as four. Only 10 minutes, its not far. 

Glatt gelogen, hat aber geholfen. Wasser, Keks, durchatmen… und weiter. Michel klopfte sich an den rechten Oberschenkel und sagte: Katja – you walk here. Vermutlich holt er so seinen Hund bei Fuß.. J’arrive, mon Commandant. Hinter mir Joëlle und ihre Freundin, quatschend…. woher auch immer die noch Puste dafür hatten…

Und irgendwie überstand ich auch noch eine zweite Stunde bergauf. Man darf wohl nie die Macht der Gruppe unterschätzen, die einen mitzieht. Und auch wenns schwer fällt: die Gruppe geht so schnell wie das schwächste Glied – in dem Fall war das ganz klar ich. Es dauerte, das zu akzeptieren, aber irgendwann hörte ich auf mich zu grämen und war einfach nur dankbar für die vielen kurzen Pausen die Michel nach kurzem Blick über die Schulter für mich klar machte… und niemand murrte. 

Oben auf dem Gipfel… es war atemberaubend. Eine ganze Geierfamilie, zehn insgesamt, kreiste über uns und beobachtete vor allem jeden Schritt den Fabio machte. Eine Aussicht, die mit Fotos überhaupt nicht einzufangen ist. Die höchsten Gipfel der Pyrenäen auf der spanischen Seite, sahen aus wie zum greifen nah. 


Auf dem Gipfel ist nicht gut zu frühstücken, also kletterten wir ein Stück wieder runter und landeten in einem märchenhaften Waldstück mit ganz vielen toten Bäumen und schattigen Plätzchen. 

Dort setzen wir uns, holten unsere Jause aus dem Rucksack und Michel sagte ein paar sehr, sehr weise Worte: Katja. What you think about icecold Beer?

Und so gab es um kurz nach zehn, zu Schinkenbrot und Aprikosen, ein eiskaltes Belohnungsbier. 


Folgte „nur noch“ der Abstieg. 

Interessanterweise hört mein Knie auf zu zicken und, auch wenn ich von oben bis unten durchgeschwitzt war, überhaupt ist wenig von dem eingetreten was ich mir den ganzen Weg hoch so ausgemalt hatte. Zwei mal umgeknickt, jetzt sind beide Knöchel etwas dick, aber ich hatte schlimmeres erwartet nachdem Bergab ja immer problematisch war für mich. 

Sollte dieses ganze gekraxel etwa jetzt schon erste Ergebnisse haben?

Wir kamen pünktlich vorm Gewitter (das blitzschnell aufzog!) wieder zuhause an und nach einer langen Dusche mit gründlicher Zeckenkontrolle hänge ich jetzt im Sessel rum, lausche dem Donner… und überlege ob es zu früh ist um den Wein aus dem Kühlschrank zu holen?

Viel weitere Wege werde ich heute ganz sicher nicht mehr machen…

Vielleicht gefällt dir auch das:

3 Kommentare

  1. PUUUH – ich bin ganz erledigt, war gerade mit auf dem Berg!
    Aber das Bier hat echt gut getan!
    Ich bin stolz auf dich, das war eine ordentliche Leistung. Nun brauchst du sicher den Rest des Tages, um dich zu erholen.
    Einen schönen Urlaub noch!
    Küßchen, Eva

  2. Ich bin schon ganz gespannt auf deine weiteren Abenteuer, eine Portion Ferne kommt dank deiner Berichte auch bei mir im Alltag an 🙂 Du scheinst mehr als nur diesen Berg auf deiner Reise zu bezwingen, da kannst du sehr stolz drauf sein. Ich wünsche dir weiterhin ein tolle Reise mit vielen schönen Begegnungen und Erfahrungen.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert