Tag 2

Der Tag, an dem das Glück mir so hold war, dass ich Angst habe es irgendwann zurückzahlen zu müssen. 

Los ging es heute morgen mit einem echten englischen Frühstück bei Rose in Saint-Martory. 


Sie schaute mir über die Schulter als ich meine Karte fragte wie ich jetzt nach Aspet komme. Non, das ist keine schöne Strecke. Viel Route Departemental, keine Bürgersteige, fast keine Ausweichmöglichkeiten über kleine Straßen oder gar Wanderwege. 

Kurzerhand schlug sie mir vor, mich nach Figarol zu bringen damit ich mir schon mal das erste Stück spare und dort auf Nebenstraßen über Umwege nach Aspet komme. Schuhe an, Rucksack auf, losgeritten. 

Das Wetter war bedeckt, über den Tag nieselte es immer mal wieder, aber eigentlich war ich ganz froh noch nicht direkt am ersten Tag in der prallen Sonne zu starten. 


Gegen Mittag dachte ich mir so: oh, schon ganz schön viel getrunken, demnächst mal schauen wo ich Wasser nachfüllen kann. Ich muss selbst grinsen, weil das, was dann passierte eigentlich nur in Büchern passiert… auf einer Lichtung mitten im Wald stand das hier:


Quellwasser. Ernsthaft. Sauber, kalt, lecker… ich habe gekichert, während ich meine Flasche auffüllte. 
Abends erfuhr ich, dass es Wunderwasser wäre, das Wunden heilen könnte wenn man es auf die Haut reibt. Wenn man es trinkt? Ob es wohl von innen heilt?

Nach dem nächsten Kraxelstück stolperte ich dann auch noch über eine sehr neue Wandertafel, die den Weg Richtung Aspet mit orange-gelben Markierungen auswies – ganz neu markiert, anscheinend. 

Ich dachte ja, ich würde viel durch Orte wandern in denen ich dann schon eine Kleinigkeit zu essen kaufen könnte. Durch den Wanderweg fiel das nun flach, auf der Romantikroute gibts keine Boulangerie. Und irgendwie war es auch doch sehr viel weiter und anstrengender als ich mir das vorgestellt hatte. Die Banane von Rose war schnell weg, aber… Zum Glück hatte ich die Laugenstange, die Luisa und Kai mir am Mittwoch morgen mitgebracht haben, nur angebissen und vorm check-in im Rucksack verstaut. Da war sie noch, etwas schmierig und matschig, aber genau das richtige für ein salziges Wanderpäuschen. 

So. Weiter nach Aspet. 

Der Himmel riss auf, ich kam endlich in Aspet an, konnte mein Problem mit dem Ladekabel (im Rucksack zu sehr abgeknickt, lädt nicht mehr) lösen, sitze mit Zitronenarte und Orangina auf einer Bank und betrachte das Treiben.. suche eine Unterkunft… alles ausgebucht. Am 13. kam die Tour de France durchs Dorf, am 14. ist Nationalfeiertag. Impossible. 


Ein einziges freies AirBnB, aber die Besitzerin antwortete nicht auf meine Anfrage. Nun denn. Ich war über mich selbst erstaunt warum ich so gelassen auf dieser Bank saß, vermutlich war ich irgendwo zwischen völligem Vertrauen in mein Glück und völliger Erschöpfung von 20km laufen. Irre, wer macht sowas auch am ersten Tag?

Irgendwann rief ich Martina an. Mal kurz mit jemandem sprechen, der wandererfahren ist und mir kurz mit klarem Verstand beisteht. Sie schickte mich los zu dem Hotel dass ich vorhin gesehen hatte, egal ob im Internet ausgebucht ist. 

Und während wir so liefen und ich erzählte was ich heute für ein Glück hatte, und sie sagte dass sie beim Universum auch die Unterkunft für die Nacht bestellt hatte… sah ich plötzlich das Haus aus den Fotos auf AirBnB! Die Frau, die nicht geantwortet hatte. 

Okay, nachgeschaut, japp, ich klingel da jetzt. 

Und nun der krönende Abschluss dieses Glückstages: Josy öffnete. Null englisch. Ich fragte ob sie für die Nacht ein Zimmer frei hätte, sie erklärte und lamentierte und ich verstand einfach nicht.. da packte sie meine Hand, ging drei Häuser weiter, rief in die offene Haustür dass sie einen Übersetzer braucht… heraus kamen Maxime und Eli. Maxime ist ihr Enkel, spricht englisch. Eli ist eine Freundin. Deutsche, aus Bremen, spricht irgendwie alle Sprachen. 

Die übersetzte dass es ein Problem mit dem Abfluss in der Dusche gäbe, darum hätte Josy das Zimmer eigentlich nicht vermieten wollen. Aber natürlich sollte ich bleiben, bitte nicht so lange duschen.

Und Maxine fügte auf englisch hinzu: mach dich frisch, danach komm zum Essen rüber.

Was ich natürlich gern tat und so auch noch einen wundervollen Abend mit sehr netten Menschen und sehr viel, sehr leckerem Essen hatte. 


 So. Glückstag! 

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1 Kommentar

  1. Super, Super, Super. Die Gastfreundschaft der Franzosen ist überwältigend!
    Und denk nicht, du müßtest es irgendwann „zurückzahlen“, das ist schon der Ausgleich!
    Nimm es wie es kommt und genieße es einfach.
    Danke für die wunderbaren Fotos, vor allem das von der Hortensie vor der alten Mauer raubt mir den Atem.
    Viel Spaß heute beim Wandern, das Glück wird dich begleiten! Ich auch …
    Küßchen, Mami

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