Ich sitze allein Zuhause und surfe durch Facebook.
Durch meinen Kopf brausen persönliche Dramen:
Wie realisiere ich meinen Umzug in ein paar Tagen, ohne zuviele Helfer zu brauchen?
Wie sorge ich für mein Einkommen in den nächsten Wochen, nachdem die neue Teilselbstständigkeit als Yogalehrerin nun doch ziemlich holperig beginnt?
Was ist mit meinen Eltern und manchen Freunden, sind sie nun in einer Risikogruppe oder nicht? Und kann ich irgendetwas tun um sie zu beschützen?
Und schaue ich mir nun die neuesten Zahlen und Meldungen auf der Tagesschau-Seite an, oder nicht? Heute macht Hiob mal Pause?

Beim Facebook/Insta-surfen fällt mir auf: Ich habe richtig gute Menschen in meiner Freundesliste.
Freunde, die Artikel über Regnosen teilen oder die sich damit auseinandersetzen wie es denn nun MIT (nämlich nicht nach) Corona weiter gehen kann.
Freunde, die Zuversicht öffentlich machen – ganz egal in welcher Situation sie gerade sind.
Freunde die Hilfsangebote teilen, Klavier spielen und dazu himmlisch singen, uns an ihren Waldspaziergängen teilhaben lassen, sich ein Chari-Yoga Angebot einfallen lassen.

Eins haben wir alle gemeinsam: Sorgen und Ungewissheit. Ob nun finanziell oder gesundheitlich oder psychisch oder alles zusammen, wir alle müssen gerade mit einer Situation umgehen die uns massiv in unserer Komfortzone bedrängt.
Die Frage ist, was wir daraus machen. Ob wir uns von der Angst verschlingen lassen, oder ob wir uns trauen die Chancen darin zu sehen.
Unsere Regierung schnürt ein Paket nach dem anderen, über kurz oder lang wird es für jede/n von uns eine finanzielle Hilfe oder Entlastung geben die dafür sorgt dass wir die wirtschaftliche Krise überstehen können.

Hey, was ist wenn das unsere Chance ist?
Den Beruf aufzugeben der uns eigentlich eh schon nicht mehr glücklich macht und uns jetzt auch kein Einkommen mehr liefert? Stattdessen Spargelstecher werden und ein krasses Leben mit den Händen in der Erde und einem braungebranntem Gesicht zu leben?
Oder den entgangenen Schlaf der letzten zwölf Jahre nachzuholen?
Die Bücher zu lesen für die wir nie Zeit hatten?
Den allerschönsten Balkon in der ganzen Stadt zu gestalten?
Die Arbeitsstunden zu reduzieren nachdem wir merken dass es offenbar auch mit 60% des bisherigen Einkommens funktioniert?
Neue Geschäftsfelder aufzutun und dem Unternehmen eine neue Ausrichtung zu geben?

Dies könnte die Pause sein, die der ganze ausgelaugte Planet braucht. Nachdem wir die Lungen des Planeten angefackelt haben, wurden wir alle von einer Lungenkrankheit heimgesucht.
Denn wir alle haben in den letzten Jahren immer nur höher, schneller, mehr gekannt. Die einen auf Kosten der anderen und alle auf Kosten unserer Mutter Erde.
Unsere Sucht nach billigen Konsumgütern, nach scheller Macht, nach viel zu viel Fleisch, nach dicken Autos – das musste irgendwann koppheister gehen.
Also dann: jetzt erstmal keine Kreuzfahrt nach Venedig. Kein Transatlantikflug. Kein Strandliegen in Australien. Keine erschlagende Nudelauswahl im Supermarkt, sondern dieser kleine Glücksmoment wenn direkt vor dir die neue Lieferung Barilla aufgemacht wird und du dich beherrschst, nur ein Paket nimmst, den anderen auch was übrig lässt.

Meine Mutter hat jetzt Skype und wir „sehen“ uns ausgerechnet jetzt öfter als in den ganzen letzten Jahren.
Meine Freunde sprechen darüber ob sie lieber im Krankenhaus oder in der Landwirtschaft aushelfen wollen.
Mein neuer Arbeitsplatz wird entgegen aller meiner Pläne nach dem Umzug in einem traumhaften Zimmer mit Südfenster und Blick in den Garten sein.

Haltet die Augen auf, Freunde! Das Gute passiert, manchmal nur knapp neben dem Weg auf den wir uns „eigentlich“ konzentrieren wollten.
Und bleibt bitte so zuversichtlich und teilt das mit der Welt. Damit in den mutlosen Momenten die uns alle immer wieder ereilen werden nicht nur die schlimmen Nachrichten in unseren Timelines zu finden sind, sondern dazwischen immer mal wieder ein Sonnenstrahl auf unser Gesicht fällt.

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