Oktober – Monat 1

Das erste Wochenende der Yogalehrerausbildung hat, wie gesagt, alles in mir auf den Kopf gestellt. Selbst körperlich habe ich mit ständigem leichtem Schwindel zu tun, der sich allerdings nicht besonders unangenehm anfühlt.. Eher so als Bestätigung: Ja, da bewegt sich wirklich ganz viel.

Die große Herausforderung ist morgens: Sechs Uhr aufstehen, kurz nach sieben die Bahn erwischen. Wenn das geschafft ist, komme ich sehr gut klar. Wir starten die Tage schweigend, finden uns auf unseren Matten ein und beginnen mit Pranayama und Meditation. Atmen und Sitzen: Das klappt selbst für einen Spätaufsteher wie mich. Und macht viel mit mir! Ich komme an in meiner ganz eigenen Welt, auf meiner Matte, umgeben von Energie und dem Duft nach Räucherstäbchen. Mein unruhiger Geist, der sonst immer mehrspurig rennt und denkt und quasselt und ausschweift, lässt sich mehr und mehr darauf ein. Es sind kurze Momente der Stille, das was mir bisher nie gelungen ist. Schwer zu formulieren was dann passiert, aber es ist wie ein kurzes inneres Päuschen von meinem ganz eigenen Dauerlauf. Auch wenn ich in Frankreich noch dachte, es würde meinem Wesen einfach nicht entsprechen still zu sein: auch der sportlichste Läufer braucht mal eine Pause.

Es erscheint mir passend, dass seit Beginn der Ausbildung auch mein Gemüt nicht mehr ganz so hitzig ist. Also.. Oft. Manchmal. Zwischendurch. Ich schaffe es immer häufiger, nicht an die Decke zu gehen sondern erstmal tief durchzuatmen, einen Schritt zurück zu treten und zu schauen: Hat das gerade was mit mir zu tun? Lohnt es sich, dass ich emotional werde? Und meistens ist die Antwort: Nein. Jemand anders hat ein Drama, aber das ist nicht mein Drama.

Vielmehr kommt dann immer häufiger die Frage: was kann ich für den, der gerade das Drama hat, wirklich tun? Was wird ihm helfen? Schweigen? Zuhören? Aktionismus? Konfrontation?

In den acht Schritten des Raja Yoga geht es auch darum: Gewaltlosigkeit (auch) in Gedanken, Wohlwollen, Rücksicht. Denn, und das ist es was in mir ein regelrechtes Feuer entfacht hat, im Yoga geht es nur zu einem kleinen Teil darum, seinen Körper zu verbiegen. Die Philosophie ist so reich an Wissen von dem ich das Gefühl habe dass ich genau danach schon immer gesucht habe.

Eine Tür ist aufgegangen zu einem Raum von dem ich wusste dass er da ist… aber ich hatte keine Ahnung wie warm, glänzend und einladend er ist. Und ich stehe an der Tür und staune, möchte alles sehen und fühlen, in mir aufnehmen, in die Welt hinaustragen.

Die Veränderung hat sofort eingesetzt. Mein Körper hat massiv entgiftet, ich hatte tagelang riesige rote Flecken an den Beinen. Das ist zum Glück wieder vorbei!

Mein Gesicht strahlt mir anders aus dem Spiegel entgegen, ich habe Gewicht verloren, meine rechte Schulter hängt nicht mehr – das tat sie Jahrelang.

Auch von außen wird das wahrgenommen, mir wird oft gesagt dass ich anders aussehe. Zufriedener.

Meine Liebsten sind größtenteils geduldig und hören sich (mehr oder weniger interessiert) an, was ich so zu erzählen habe.. und ich habe viel zu erzählen!

Es berührt mich ganz, ganz tief.

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